Aufwertung für wen? – Umzug am 12.5

Am Samstag, 12. Mai, zogen am späteren Nachmittag rund 70-80 Personen unter dem Motto “Aufwertung für wen? Zuviel Ärger – zu wenig Wut!” durchs Kleinbasel. Angefangen in Kleinhüningen, bewegten sich die UmzugsteilnehmerInnen via Gärtner- bzw. Klybeckstrasse, Feldbergstrasse zum NT-Areal, wo die Kundgebung nach einem kostenlosen Abendessen aufgelöst wurde.
Entlang der Strecke gab es verschiedene Aktionen; von Redebeiträgen zur ehemals besetzten Aktienmühle und einem eigens komponierten Song zur Hafenentwicklung im Klybeck hin zu mit Absperrband verzierten Kreuzungen.
Der Umzug verlief ohne Zwischenfälle – abgesehen von zwei bis drei unerwünschten PolizistInnen, die ihre Kamera das nächste Mal besser zu Hause lassen sollten…

Der nächste Umzug findet am Samstag, 9. Juni um 16 Uhr statt. Treffpunkt ist die 11er-Tramhaltestelle “Mülhauserstrasse” im St. Johann.

Für eine Stadt, die von uns allen gemacht wird – ohne Regierung, Verwaltung und Kapitalinteressen!

Sauvage im Grosspeter durchgesetzt


Am Freitag, 27. April fand in Basel eine Sauvage mit rund 200 Personen statt. In den Gebäuden der ehemaligen Garage Grosspeter in der Nähe des Bahnhofs SBB wurde ab 22 Uhr getanzt und getrunken. Die Gebäude sind dem Abriss geweiht, auf dem Gelände soll ein (weiteres) grosses Hotel gebaut werden.
Die Polizei hat zu Beginn versucht, die Party unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei hat es eine kurze Auseinandersetzung mit Gummischroteinsatz gegeben, worauf sich die Polizei etwas zurückzog und die Szenerie nur noch aus Distanz beobachtete. Auf der Strasse wurde ein Feuer entzündet und Baumaterial zum Schutz vor der Polizei aufgebaut. Nach 2 Uhr wurde die Party aufgelöst und alle Leute sind gemeinsam abgezogen.

Sieht so aus als wäre es mit etwas Willen auch diesen Sommer möglich, illegale Partys durchzusetzen.

Sauvage von vergangenem Samstag

Letzten Samstag am 21. April ist unseres Wissens eine Sauvage im Gellertquartier nach 20 Minuten von rund 15 Polizist_innen und einem Polizeihund aufgelöst worden. Dies steht wohl im Rahmen der neuen Taktik im Bezug auf illegale Partys in Basel („Lautsprecher auf Allmend nach 22 Uhr verboten“)

Als Reaktion auf dieses Ereignis macht im Moment ein Aufruf die Runde. Mobilisiert wird auf eine Sauvage heute Freitag. Treffpunkt sei um 10 Uhr beim Sommercasino.

Umzug „Aufwertung für wen? Für eine Stadt, die von uns entwickelt wird!“

Umzug

Am Samstag Nachmittag haben rund 120 Personen gegen die Aufwertungspolitik der Stadt Basel demonstriert. Kurz nach 16 Uhr versammelten sich die Leute am Vogesenplatz im St. Johann, einem Ort, der symbolisch dafür steht, wie Regierung, InvestorInnen, StadtplanerInnen und ArchitektInnen sich die Basler Wohnquartiere der Zukuunft vorstellen: Sterile, leicht überwachbare Plätze, Neubauten für Wohlhabende, wo vorher günstiger Wohnraum war, kombiniert mit zentralisiertem Einkaufsparadies.

Vom Vogesenplatz aus lief der Umzug über den Voltaplatz zur Schifflände über die Mittlere Brücke und danach durchs untere Kleinbasel, bevor er um ca. 19 Uhr auf der Dreirosenmatte aufgelöst wurde. Redebeiträge und Flyer (siehe Anhang), die an die neugierigen PassantInnen verteilt wurden, erklärten die Kritk und die Anliegen der Demonstrierenden. Viele PassantInnen zeigten Sympathie für die Anliegen des Umzugs.

Organisiert wurde der Umzug von kritischen BewohnerInnen Basels, die sich zusammen gefunden haben, weil sie die Aufwertung der Wohnquartiere nicht mehr länger widerstandslos hinnehmen wollen. Denn diese sogenannte Aufwertung führt unter den heutigen Bedingungen zwangsläufig zu einer Verteuerung des bestehenden Wohnraums und damit zur Verdrängung der ökonomisch Schwächeren.

Der nächste Umzug gegen die neoliberale Stadtentwicklung findet am 12. Mai um 16 Uhr statt, er beginnt am Wiesenplatz in Kleinhüningen.

Aufwertung für wen?

«Die städteplanerische Aufwertung steigert den finanziellen Wert von Böden, Häusern, Strassen und Plätzen ohne Rücksicht auf deren BewohnerInnen. Wir wollen die Stadt selbst gestalten, mit unseren eigenen Mitteln und Ideen beleben, ohne rentieren zu müssen. Für eine Stadt, die von uns entwickelt wird – und nicht für uns!»

Warum treffen wir uns heute auf der Strasse?

Wie viele wahrscheinlich bereits mitbekommen haben, passiert in den ehemals “verwahrlosten” Quartieren Basels so einiges – allen voran im St. Johann und im Kleinbasel zwischen Matthäusquartier und Kleinhüningen, aber auch auf dem Dreispitz. Häuser werden vollumfassend saniert, Wände werden von Graffiti und anderen „Schmierereien“ befreit, Plätze werden neu gestaltet, neue Einkaufszentren entstehen, junge, kreative DesignerInnenläden sind plötzlich präsent.
Und all das wird einem als positive Veränderung, hin zu einer weltoffenen, toleranten und innovativen Stadt, verkauft. Ein Hoch auf den Fortschritt!

Kommt her ihr Investoren und Investorinnen, gebt Basel euer Geld, baut Häuser, baut Büros, baut Plätze, baut Spielplätze, nehmt Teil an der Realisierung einer grossen Vision. Der Vision einer völlig verwalteten, kontrollierten und deshalb tristen Stadt: Willkommen in Basel!

Gerne ausgeblendet werden allerdings die Konsequenzen, die vor allem für Leute mit geringen Einkommen (wie Menschen in Ausbildung oder MigrantInnen) mitunter schwerwiegend sein können: Steigende Mieten infolge von Renovationen und Neubauten führen zu Verdrängung an die Ränder der Stadt, die totale Verwaltung aller Räume zum Entzug eigener Initiative, die bis ins letzte Detail durchgeplante Architektur zum Verlust von Spontaneität, Wildwuchs und Unberechenbarkeit.

Während die Auseinandersetzung um diese Themen oftmals auf die simple Formel „Die Jugend braucht (mehr) Freiräume!“ reduziert wird, soll an dieser Stelle noch einmal mit allem Nachdruck gesagt werden, dass Freiräume nur dann interessant sind, wenn sie eine längerfristige Perspektive bieten, wenn sie einem ermöglichen, etwas aufzubauen, einen Anker zu werfen, der nicht so schnell eingeholt werden kann – weder von der Regierung noch von privaten Interessen.

Aber genug dazu.

Wir wehren uns gegen eine von oben bestimmte Ver- und Einteilung von Räumen, egal wem sie gehören. Ist es legitim, dass jemand, die nichts hat, aus ihrer Wohnung verdrängt wird – schlicht, weil die Wohnung nicht ihr, sondern der Stadt, der Novartis oder anderen Unternehmen gehört. Schlicht, weil diese das Potenziel wittern, aus der Wohnung mehr Profit zu schlagen? So wie die Stadt von einigen wenigen entwickelt wird, begünstigt sie jene, welche bereits einen privilegierten Status in Form hoher Einkommen oder zugesprochener Eigentumsrechte geniessen. Das zeigt sich beispielsweise am Novartis Campus, diesem Monster von Entwicklung und Forschung, das nach und nach Teile der Öffentlichkeit vereinnahmt, eine Stadt in der Stadt baut, den ehemaligen Hafen St. Johann in einen Privatpark für die Mitarbeitenden umwandelt und eine Promenade rund um die Voltamatte
erhält, um ihren Organismen auch ausserhalb ihrer Gebäudekomplexe eine für sie lebensfreundliche Atmosphäre zu bieten. Andere Beispiele wären die angestrebte Hafenentwicklung im Klybeck oder das neue Erlenmatt-Quartier.

Das alles ist nicht auf eine falsche Politik oder die Versäumnisse der Regierung zurückzuführen, sondern auf eine generelle Logik, die sich in vielen Bereichen europäischer Gesellschaften zeigt: Ein unsichtbarer Zwang, der dazu führt, dass Städte, aber auch Menschen und Dinge im Allgemeinen effektiv, originell, organisiert, produktiv, effizient und attraktiv sein müssen. Wer sich dem verweigert, fällt durch das Netz sozialer Akzeptanz.

Stadtentwicklung muss nicht zwangsläufig von einer Verwaltung, sei sie privat oder staatlich, ausgehen. Vielmehr sollte die Gestaltung der eigenen Umgebung von den Anwohnerinnen und Anwohnern ausgehen, die direkt betroffen sind. Warum nicht mehr Skepsis und Abneigung gegenüber denjenigen, die uns regieren und uns mit kosmetischen Partizipationsprogrammen ruhigzustellen versuchen. Hinterfragen wir die Normalität, die uns vorgesetzt wird, anstatt sie gedankenlos zu übernehmen. Das gilt nicht nur für den (städtischen) Raum, sonst für alle Bereiche, in denen eine übergeordnete Instanz Entscheide für andere trifft.

Der nächste Umzug findet am 12. Mai um 16 Uhr statt. Treffpunkt ist der Wiesenplatz in Kleinhüningen.

Flyer als PDF

„Lautsprecher auf Allmend nach 22 Uhr verboten“

Als Beitrag zur laufenden Diskussion rund um Freiluftpartys (Zürich ist gerade damit beschäftigt, zu integrieren und regulieren) möchten wir auf folgende nicht ganz ironiefreie Medienmitteilung des Justiz- und Sicherheitsdepartements hinweisen.

Lautsprecher auf Allmend nach 22 Uhr verboten

Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen klettern, zieht es die Leute ins Freie. Sie sollen dabei Spass haben. Aber damit andere den Spass nicht verlieren, sind Spielregeln einzuhalten. Dazu gehört, dass stationäre und tragbare Lautsprecheranlagen auf der Allmend bewilligungspflichtig sind. Nach 22 Uhr ist die Benutzung von Lautsprecheranlagen grundsätzlich untersagt.
Die Kantonspolizei Basel-Stadt erinnert an diese Regel, die sich auf Paragraph 32 des kantonalen Übertretungsstrafgesetzes und auf die polizeilichen Vorschriften zur Lärmbekämpfung stützt. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Überweisung mit Strafantrag an die Staatsanwaltschaft – was Gebühren und eine Busse in der Höhe von mehreren hundert Franken zur Folge haben kann. Diese Regelung gilt fürs ganze Kantonsgebiet, also nicht nur am Rheinufer.

Im letzten Jahr musste die Polizei etwa verschiedentlich auch in den Langen Erlen eingreifen, wo es zu illegalen Parties inmitten der Grundwasserschutzzone kam. Für solche Veranstaltungen im Gebiet der Langen Erlen bewilligt die Kantonspolizei Basel-Stadt grundsätzlich keine Lautsprecher. Sie fährt in diesen Fällen denn auch konsequent einen repressiven Kurs und stellt die Anlagen über Nacht sicher. Die Besitzerinnen und Besitzer müssen sie am Folgetag auf der benannten Polizeiwache abholen.

Wir verweisen auf diesen Flyer von letztem Herbst.

Auf viele warme, wilde Sommernächte.

Fahrende Diskurs-Interventions-Aktion

Am Samstag Nachmittag (31.3.) besammelten sich auf dem NT-Areal ca. 80 Personen, um für den Wagenplatz zu demonstrieren, der Anfang März von dort verdrängt wurde. Ein Traktor mit Anhänger sorgte für Musik, auf dem Fronttransparent stand „Bässlergut weg, Wagenplatz her!“ geschrieben, was auf das Basler Ausschaffungsgefängnis und dessen geplanten Ausbau im Jahr 2016 anspielt.
Via Riehenring, Clarastrasse, Mittlere Brücke ging es zum St. Johanns Park, wo der Umzug beendet wurde. Die Polizei hielt sich im Hintergrund. Während des Umzuges wurde folgender Text verteilt, der zu einer weiteren Demo gegen neoliberale Stadtentwicklung und für alternative Lebenskonzepte am 21. April aufruft.

Willkommen in Basel, einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. In der Region Basel finden Sie eine einmalige Dichte innovativer Firmen, eine weltoffene Kultur, ein internationales Umfeld, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und eine Lebensqualität, die höchste Ansprüche erfüllt.
Wenn auch Sie mit Dynamit zum Standort beitragen und
Teil des Erfolgs werden möchten, unterstützen wir Sie gerne.

www.baselarea.ch

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen! Das falsche Leben ist die Wirklichkeit der sozialen Verhältnisse im kapitalistischen Produktionsprozess, welches in ihrer (postmodernen) Entfaltung ebenso totalitär die Stadt durchdringt und ein gutes Leben aller verunmöglicht. Das Tauschgesetz gilt überall. Die Stadt, welche vermeintliche Nischen und Freiräume für individuelle Freiheiten hervorbringt, ist als Teil menschlichen Lebens ebenso wie dieses komplett der Warenproduktion unterworfen. Nach einer langen und ausführlichen Analyse haben wir herausgefunden, dass hier irgendwie doch nicht nur Platzmangel in Basel herrscht. Die Stadt ist nicht geographischen oder natürlich gewachsenen Grenzen unterworfen, sondern GESELLSCHAFTLICH bedingten.

Wir möchten irgendwie nicht zum Standort Basel beitragen. Das idyllische Städtchen am Novartis Campus, mit all dieser Dichte an innovativen Firmen und Einkaufsstrassen und an Lebensqualität. Sie schaffen Rahmenbedingungen, die auf höchste Ansprüche einschränkend beschränken. Schranken der Superlative GEFALLEN MIR NICHT! Und damit zur guten Nachricht. Wir werden nicht atomisiert leben. So heisst es dann nicht zum Standort beitragen sondern: Abtragen, meine Damen und Herren, ist hier angebracht. Hier herrscht nicht Platzmangel, sondern Lebensqualität und Savoir-vivre. Das gute Benehmen ist die Kunst des Lebens: «So ist denn die Etikette, im wahrsten Sinne des Wortes, die Schranke gegen Übergriffe, die das Gesetz nicht zu erfassen vermag und als solche unentbehrlich ist. Laufende Verstösse gegen ihre gewöhnlich ungeschriebenen Regeln werden unentbehrlich geahndet, indem die Gesellschaft – d.h. der Kreis aller Menschen mit Herz, Charakter und einen natürlichen Sinn für Korrektheit – ihre Tore vor den Aussenseitern verschliesst.»

Die feine Lebensart ist der Schlüssel zum Erfolg und die Voraussetzung für eine Beteiligung am Basler Stadtleben. Und somit ist es nicht eine Frage des vorhandenen Platzes im Städtchen, wo der Rhein quer durch die Mitte fliesst, sondern ein politischer Entscheid, für wen hier wieviel Raum am Standort zur Verfügung gestellt wird.

Wir sind nicht die Randgruppe, sondern eine sich in Beziehungen subjektivierende, im Prozess der Emanzipation befindende Gesellschaft. Aus den bestehenden Strukturen entwachsen, um uns zu nehmen, was das Falsche uns nicht geben kann. Und damit wir das Leben ins Gleichgewicht bekommen, handeln wir nach guter, alter forstwirtschaftlicher Manier:

Zerstört ihr unsere Räume,
dann pflanzen wir zwei Neue.

Rosentalhäuser erneut gefährdet

MV Basel 1891 und Anwohner/innen gemeinsam: Die Massenkündigungen müssen weg!

Nach dem Willen der „Zürich Versicherung“ wären sie längst abgerissen. Stattdessen stehen sie auch im 10. Jahr seit unserer erfolgreichen Volksabstimmung und bieten guten, bezahlbaren Wohnraum: die Rosentalhäuser hinter dem Messeturm!

Doch nun hat die „Zürich Versicherung“ zum verfemten Mittel der Massenkündigungen gegriffen und will die Anwohner/innen unterschriftlich zum Verzicht auf Rekurse bewegen. Der MV Basel 1891 ruft die direkt Betroffenen auf, keinerlei schummrige „Zürich“-Vereinbarung zu unterzeichnen.

Die Basler Wohnbevölkerung ruft er zur Solidarität auf. Und Baudirektor Hp. Wessels, der sich stets hinter der „Zürich“ versteckt hat, soll sich endlich für die „ganz normalen Bürger/innen“ in Basel einsetzen, welche auch Mieter/innen und „gute Steuerzahlende“ sind.

(via mieterverband.ch)

Wagenplatz in Existenz bedroht! die Basler Regierung vernichtet alle Perspektiven auf einen Wagenplatz in ihrer Stadt

wagenplatz

Herzliche Gratulation rot-grüne Regierung!

Mit viel Engagement habt ihr bewirkt, dass es keinen Standort für einen Wagenplatz in Basel geben kann. Ihr habt ganze Maschinerien ins Rollen gebracht, um rund 15 von uns vorgeschlagene Plätze in einer Art und Weise abzuklären, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Was fehlt ist der politische Wille, da könnt ihr schönreden was ihr wollt. Es ist peinlich, wenn eine Regierung nicht öffentlich dazu steht, wofür sie sich längst entschieden hat. Nämlich, dass sie in Basel einen Wagenplatz als alternative Wohn- und Lebensform nicht haben will.

Versprochen wurde, dass am Runden Tisch vom 8. März eine Lösung gefunden wird. Am Gespräch teilgenommen haben schliesslich weder Vertretungen des Regierungsrates noch von Immobilien Basel Stadt. Die nach dem Gespräch veröffentlichte Medienmitteilung wurde im Vornherein verfasst. Das Treffen entpuppte sich als reine Alibiübung und diente ausschliesslich dazu uns feierlich zu verklickern, dass mit allen „Bemühungen“ leider keine Lösung gefunden werden konnte, die Stadt jedoch alles Mögliche unternommen habe. Das können wir so nicht akzeptieren. Denn nicht die getätigten Abklärungen, sondern der politische Wille definiert den Handlungsspielraum.

Noch vor zwei Wochen äusserte sich Regierungspräsident Guy Morin folgendermassen in einem Interview: „Für mich ist (…) klar, dass Zwischennutzungen und Alternativkultur genauso zu unserer Stadt gehören wie Grossveranstaltungen wie etwa das Tattoo oder das Jugendkulturfestival.“ (Tageswoche, 24.2.2012) Offensichtlich ein Lippenbekenntnis, wenn in mehr als einem halben Jahr und unzähligen Verhandlungsgesprächen keine Lösung gefunden werden will, für einen Wagenplatz in Basel. Empfohlen wurde, sich auf privaten Grundstücken und am besten in Baselland einen Platz zu suchen — „ich bin überzeugt, dass es da eine Möglichkeit für das Wohnprojekt der Wagenleute gibt. Sie müssen jetzt ihr Blickfeld erweitern“, so Guy Morin zur Basler Zeitung (9.3.2012). Unverständlich, was zu hoffen erlaubt, dass im Baselbiet ein alternatives Wohnprojekt auf mehr Verständnis stossen soll als in einer Stadt, die sich als „offen“ und „tolerant“ gegenüber alternativen Lebensformen versteht.

Erwartet wird das Unmögliche. Wir sollen uns ohne Perspektive auf eine Folgelösung an die Freiburgerstrasse zurückziehen. An einen Ort an dem wir, wenn überhaupt, auch nur für wenige Monate bleiben könnten und wo heute nicht klar ist, ob wir dort noch toleriert werden. Denn wie wir von Seiten des Präsidialdepartements erfahren haben, müssen wir einen allfälligen Umzug an die Freiburgerstrasse zuerst neu mit der dortigen Besitzerin „besprechen und die Ausgangslage neu klären“.

Wir sind enttäuscht, wir sind sprachlos, wir sind wütend und wir fühlen uns hintergangen; von einer Stadt die nicht Hand bietet, eine passende Alternative zu ermöglichen, von einer Stadt, die uns ein halbes Jahr lang Unterstützung vorgaukelt, uns in Wahrheit aber weg haben will.

Wagenplatz: Pressekonferenz vom 20. Februar

Der Soziologe Ueli Mäder schreibt, eine lebendige Stadt biete Platz für mehrere Wagenplätze. Dies ist nicht nur eine schöne Idee, es ist ein reales Bedürfnis. In Bern, Biel, Zürich, Genf, Luzern und Winterthur gibt es schon Wagenplätze, nur Basel hinkt hier einen Schritt hinterher.

Wir setzen uns ein für unkonventionelles Wohnen. Wir wollen Räume schaffen, in denen die Menschen, die diese bewohnen und nutzen auch die Regeln aufstellen. Wir wollen in einer grösseren Gemeinschaft leben, unsere Fixkosten tief halten, damit wir mehr Zeit haben für die Umsetzung unserer eigenen Ideen, die im wirtschaftlichen System nicht rentieren müssen. Unsere Wohnform mag vielleicht seltsam erscheinen, doch für uns hat sie mit selbstbestimmtem Raum zu tun, Raum, den wir selbst gestalten können und das ist uns sehr wichtig.

Neben dem Wohnen wollen wir auch kulturell aktiv sein. Auch hier. Wir wollen uns nicht in die Mainstream-Kultur einreihen, wir wollen feine Veranstaltungen machen die berühren. Doch leider mussten wir bis jetzt all unsere Zeit in die Suche nach einem geeigneten Platz investieren. Diese Suche läuft folgendermassen ab: Wir liefern Plätze, die die Stadt abklärt. Zum Schluss werden sie immer mit mehr oder weniger fadenscheinigen Argumenten verworfen.

An dieser Stelle möchten wir kurz einen Blick zurück werfen:
Ende August 2011 ist im Hafen der Wagenplatz entstanden, eine erwähnenswerte Bereicherung für eine Stadt, die mit Freiräumen geizelt. Im Hafen durften wir nicht bleiben, wohnen sei in der Industriezone nicht erlaubt. Und die Öffnung des Hafenareals solle strukturiert und kontrollierbar erfolgen.

Also haben wir uns unter Androhung einer polizeilichen Räumung auf das Versprechen der Stadt eingelassen, gemeinsam einen geeigneten Platz zu finden und sind provisorisch an die Freiburgerstrasse gezogen, einem dunklen Hinterhof, zwischen Autobahn und Rangiergeleisen. Dort wurden in Zusammenarbeit mit Herrn Markus Ritter vom Präsidialdepartement drei weitere Plätze abgeklärt, welche alle mit einem negativen Bescheid endeten. Uns wurde bewusst, dass wir längere Zeit auf der Suche sein würden und so zogen wir aufs NT-Areal. Da sah es anfangs gut aus, uns wurde von Besitzerin und Stadt ein Bleiberecht bis Baubeginn im Sommer zugesprochen. Doch dann kam Pro Natura und forderte den sofortigen Weggang, da der Schotterplatz Naturschutzgebiet sei.

Wir möchten an dieser Stelle erwähnen, dass der Parkplatz der Firma Fröde auch in der Naturschutzzone steht, und erst betoniert wurde, als das Gelände schon zur Naturschutzzone erklärt worden war…

Der städtische Naturschutz setzte uns also eine Frist bis Ende Februar. Auf dem NT-Areal wechselte unser Verhandlungspartner bei der Stadt. Wir rutschten in die „Abteilung Zwischennutzungen“ ab und neu verhandeln wir mit Olivier Wyss. Dieser hat nochmals in beschriebener Manier zwei Plätze abgeklärt, was auch zu keinem positiven Resultat führte. Der letzte war der Sportplatz im Horburgpark. Dort gibt es Platz neben den Hündelern, wir wären zufrieden und würden niemanden stören, da es keine angrenzenden Anwohnerinnen und Anwohner gibt.

Kurz gesagt, uns ist eines klar geworden: Es gibt keine Zone für eine solche Wohnform. Wir sind nicht zonenkonform und können es nie werden! Die Stadt Basel sieht keinen Platz vor für unser Bedürfnis, so zu leben. Sie tut sich schwer mit Projekten, die aus der Eigeninitiative ihrer Bewohnerinnen und Bewohnern wachsen und nicht von Städte- und Raumplanern konzipiert werden.

Für uns ist die Sache ganz einfach: die Stadt muss endlich politische Grösse zeigen und eine Duldung aussprechen! Denn die abgeklärten Plätze sind immer noch alle ungenutzt. Im Hafen wurde eine Projektausschreibung für Zwischennutzungen lanciert. Absurderweise sind wir ja in die „Abteilung Zwischennutzungen“
abgerutscht und wir waren schon im Hafen, doch dort wurden wir vertrieben. Anscheinend „nutzen“ wir doch nicht korrekt „zwischen“…

Wir sind jetzt hier und wir können und werden uns Ende Februar nicht in Luft auflösen. Ende Februar ist in einer Woche und es gibt bis jetzt keinen akzeptablen Alternativstandort. Wir brauchen ungefähr 1500m2 an der Sonne, mit etwas Ruhe, zentral gelegen oder gut erschlossen.

An dieser Stelle bitten wir Herrn Trueb, Vorsitzender der Abteilung Stadtgärtnerei öffentlich, uns einen Teil des Sportplatzes im Horburgpark für eine Gebrauchsleihe zu überlassen.